Klassizismus1518

Der heilige Michael im Kampf mit dem Drachen

Raffael

Das Auge des Kurators

"Der geflügelte Erzengel in antiker Rüstung, der in der Luft schwebt und seinen Speer auf einen hybriden Dämon richtet, der inmitten von Vulkangestein bezwungen wurde."

Ein Meisterwerk aus Raffaels Reifezeit. Dieses Werk verkörpert den Triumph des Lichts über die Dunkelheit durch eine himmlische Choreografie von absoluter Eleganz.

Analyse
Dieses 1518 für König Franz I. gemalte Bild stellt den Höhepunkt von Raffaels römischem Stil dar. In diesem historischen Kontext ist das Werk nicht nur religiös, sondern auch diplomatisch und symbolisiert die Zugehörigkeit des französischen Königs zum Orden vom Heiligen Michael. Raffael entfernt sich hier von der Sanftheit seiner frühen Madonnen, um Michelangelos "terribilità" zu übernehmen, während er seine eigene "grazia" bewahrt. Der Mythos bzw. der biblische Bericht basiert auf der Offenbarung des Johannes. Er beschreibt den Krieg im Himmel, in dem Michael Luzifer vertreibt. Raffael wählt den präzisen Moment des Niederschmetterns: Der Dämon liegt am Boden, aber der Sieg scheint ohne sichtbare körperliche Anstrengung errungen zu sein. Dieses Fehlen von Muskelspannung beim Erzengel unterstreicht die neoplatonische Vision, dass das Gute durch göttliches Wesen triumphiert. Stilistisch zeigt das Werk eine außergewöhnliche Beherrschung der Bewegung. Der Erzengel scheint auf einem göttlichen Hauch zu gleiten, wobei seine ausgebreiteten Flügel und sein wehender Mantel eine luftige Dynamik erzeugen. Die Psychologie des Heiligen Michael ist von beeindruckender Gelassenheit; sein Gesicht ist ungerührt. Im Gegensatz dazu verkörpert der Dämon Leid und Missbildung mit Hörnern und Fledermausflügeln. Technisch verwendet Raffael das "Sfumato", um die Konturen in der fernen Landschaft weicher zu machen, was im Kontrast zur metallischen Präzision der Rüstung steht. Das Spiel des Lichts auf dem Metall und die orangefarbenen Reflexe aus den infernalischen Tiefen erzeugen eine dramatische Atmosphäre. Das Werk zeugt von der engen Zusammenarbeit zwischen Raffael und seiner Werkstatt, obwohl die Gesichter unzweifelhaft vom Meister stammen.
Das Geheimnis
Eines der faszinierendsten Geheimnisse liegt im ursprünglichen Träger. Obwohl es heute im Louvre auf Leinwand ausgestellt ist, wurde es ursprünglich auf Pappelholz gemalt. Die Übertragung auf Leinwand im Jahr 1751 war ein riskantes Verfahren. Neuere Analysen zeigen signifikante "Pentimenti" unter dem Speer, was beweist, dass Raffael lange über den Angriffswinkel nachdachte, um die Eleganz der Geste zu maximieren. Ein weiteres Mysterium betrifft die Signatur. Raffael signierte das Werk ungewöhnlicherweise auf dem Saum des Gewandes: "RAPHAEL URBINAS PINXIT MDXVIII". Diese Signatur ist ein Zeichen des Stolzes auf ein Werk, das für einen der mächtigsten Herrscher Europas bestimmt war. Röntgenaufnahmen zeigten, dass der Dämon ursprünglich menschlichere Züge hatte, bevor er in eine hybride Kreatur verwandelt wurde. Moderne wissenschaftliche Analysen haben auch die Verwendung von Lapislazuli für das Blau des Himmels hervorgehoben. Spuren von Vergoldungen, die heute fast verschwunden sind, verzierten einst die Flügelränder und Details der Rüstung, was das Werk im Kerzenlicht der königlichen Gemächer zum Erstrahlen brachte.

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Institution

Musée du Louvre

Standort

Paris, Frankreich