Barock1688

Der Große Dauphin

Hyacinthe Rigaud

Das Auge des Kurators

"Beachten Sie die außergewöhnliche Beherrschung der Texturen: Die kalte Reflexion der Rüstung steht im Gegensatz zur Weichheit des lilienbesetzten Samts."

Das definitive Porträt von Ludwig von Frankreich, dem Sohn Ludwigs XIV., das die kriegerische Majestät des Grand Siècle verkörpert. Hyacinthe Rigaud schuf hier ein Meisterwerk des barocken Staatsporträts.

Analyse
Dieses 1688 gemalte Porträt fängt den Grand Dauphin auf dem Höhepunkt seines militärischen Ruhms ein. Rigaud stellt nicht nur einen Mann dar, sondern errichtet eine Allegorie der dynastischen Kontinuität. Die Rüstung symbolisiert sein Kommando, während der Mantel an seinen hohen Rang erinnert. Das Werk ist Teil einer strengen politischen Kommunikationsstrategie. Im Gegensatz zu seinem Vater, der oft als sakraler Monarch dargestellt wurde, wird der Dauphin hier als "erster Soldat des Reiches" gezeigt. Diese militärische Ikonografie soll den Adel und das Volk über die Verteidigungsfähigkeit beruhigen. Die Bedeutung des Porträts liegt auch in der Behandlung des Blicks. Der Dauphin fixiert einen Punkt in der Ferne, was eine strategische Weitsicht suggeriert. Diese aristokratische Distanz wird durch die monumentale Perücke gemildert, die das Gesicht einrahmt. Schließlich unterstreicht der Helm auf dem Tisch den Übergang von der Handlung zur souveränen Ruhe. Rigaud verschmilzt diese Aspekte in einer formalen Einheit, die bis zur Revolution das absolute Vorbild für königliche Porträts bleiben sollte.
Das Geheimnis
Ein wichtiges Geheimnis liegt in der Zusammenarbeit der Werkstatt. Während Rigaud die Komposition entwarf und das Gesicht malte, wurden die Rüstungsteile Spezialisten in seinem Atelier anvertraut. Diese Arbeitsteilung ermöglichte eine fast fotografische Präzision der Reflexionen. Es gibt ein "Familiengeheimnis" in der Körperhaltung: Der Grand Dauphin neigte zur Korpulenz. Rigaud nutzte geschickt den Faltenwurf des Mantels, um die Silhouette des Prinzen zu verschlanken. Das vorgestellte linke Bein ist ein klassischer Kunstgriff, um den Körper zu strecken. Ein weiteres Geheimnis betrifft die diplomatische Bestimmung. Dieses Porträt wurde mehrfach kopiert, um an ausländische Höfe, insbesondere nach Madrid, geschickt zu werden. Es war ein diplomatisches Instrument, um die Stärke der französischen Linie während der spanischen Erbfolgekrise zu beweisen. Pigmentanalysen ergaben die Verwendung eines speziellen Lacks mit venezianischem Terpentin, um dem königlichen Mantel seinen Glanz zu verleihen. Diese teure Mischung verhinderte das Vergilben und garantierte, dass das "Bleu de France" jahrhundertelang strahlend blieb.

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Welche Besonderheit in Rigauds Atelierpraxis wird durch die hyperrealistische Darstellung der Rüstung des Grand Dauphin veranschaulicht?

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Institution

Musée de l'Histoire de France (Château de Versailles)

Standort

Versailles, Frankreich