Symbolismus1907

Porträt Adele Bloch-Bauer I

Gustav Klimt

Das Auge des Kurators

"Adeles Gesicht und Hände sind die einzigen Elemente, die mit fleischlichem Realismus behandelt wurden und aus einem Ozean goldener geometrischer Muster auftauchen. Diese Dualität zwischen lebendigem Fleisch und erstarrter Ornamentik erzeugt eine mystische Spannung."

Dieses Porträt, eine absolute Ikone von Klimts Goldener Phase, verschmilzt byzantinische Erotik und Wiener Moderne in einer Flut von Blattgold. Es ist mehr als ein Gemälde; es ist ein weltliches Reliquiar für die jüdische intellektuelle Elite Wiens.

Analyse
Das 1907 entstandene Porträt stellt den Höhepunkt von Gustav Klimts "Goldenem Stil" dar. Adele Bloch-Bauer, eine zentrale Figur der Wiener Gesellschaft, wird hier nicht nur als Frau, sondern als moderne byzantinische Ikone verewigt. Der Einfluss der Mosaike von Ravenna, die Klimt 1903 besuchte, ist in der Verwendung von Gold als sakralem, zweidimensionalem Raum allgegenwärtig. Der Maler bricht mit der Tradition des bürgerlichen Porträts, um eine symbolistische Dimension zu erkunden, in der sich das Subjekt in seiner Umgebung aufzulösen scheint. Die Analyse offenbart eine tiefe psychologische Dimension hinter dem Luxus der Ausstattung. Adele war die einzige Frau, die Klimt zweimal in großem Maßstab malte, was auf eine komplexe intellektuelle Beziehung hindeutet. Ihr melancholischer Blick und die zarte Haltung ihrer Hände kontrastieren mit der überwältigenden Kraft des Goldes. Klimt nutzt eine Ikonographie voller ägyptischer und mykenischer Symbole, wie die Augen des Horus, um seinem Modell eine schützende und ewige Aura zu verleihen. Der Kontext des Mythos der "Femme Fatale" durchdringt die Leinwand. Im Wien der Jahrhundertwende galt die Frau sowohl als inspirierende Muse als auch als geheimnisvolle Kraft. Adele verkörpert die Verschmelzung von liberaler jüdischer Kultur und künstlerischer Avantgarde. Das Kleid, geschmückt mit Dreiecken und Augenmotiven, wird zu einer ästhetischen Rüstung, die sie von der fassbaren Welt trennt und sie zu einer zeitlosen, fast göttlichen Figur macht. Dieses Werk markiert auch das Ende einer Ära, jener der triumphierenden Wiener Secession vor den Verheerungen des Ersten Weltkriegs. Die Technik ist unglaublich komplex: Ölfarbe vermischt mit Gold- und Silberblatt, das in Reliefs aufgetragen wurde. Der Übergang vom Figürlichen (dem Gesicht) zur reinen Abstraktion (dem Dekor) nimmt die künstlerischen Revolutionen des 20. Jahrhunderts vorweg, bleibt aber in exzellentem Kunsthandwerk verwurzelt. Schließlich ist das Gemälde ein Symbol für NS-Raubkunst und die spätere historische Restitution. Es trägt die Narben der europäischen Geschichte in sich. Es ist nicht nur ein Porträt, sondern ein Monument einer raffinierten Kultur, die fast vernichtet wurde, und wirkt wie ein stiller Schrei nach Würde und Resilienz durch den Glanz des Goldes. Die Rückgabe an Maria Altmann im Jahr 2006 schloss ein schmerzhaftes Kapitel der Kunstgeschichte ab.
Das Geheimnis
Das berühmteste Geheimnis dieses Werkes liegt in der Identität des Modells. Jahrzehntelang wurde das Bild nach der Beschlagnahmung durch die Nazis in "Die Goldene Adele" oder "Frau in Gold" umbenannt, um jeden Hinweis auf den jüdischen Familiennamen "Bloch-Bauer" zu tilgen. Dieser Versuch der kulturellen Auslöschung wurde erst während des langjährigen Rechtsstreits um die Rückgabe an die Erben vollständig der Weltöffentlichkeit bekannt. Ein weniger bekanntes technisches Geheimnis betrifft die Textur des Goldes. Klimt trug nicht einfach Blattgold auf; er modellierte die Oberfläche der Leinwand mit Gesso (einer Mischung aus Kreide und Leim), um Reliefs zu schaffen, bevor er vergoldete. Das bedeutet, dass das Licht nicht gleichmäßig reflektiert wird: Je nach Tageszeit und Position des Betrachters erwachen Muster wie Spiralen oder Dreiecke physisch zum Leben. Es gibt auch Geheimnisse über die Intimität zwischen Maler und Modell. Hartnäckige Gerüchte besagen, dass Adele und Gustav eine leidenschaftliche Affäre hatten. Obwohl es keine formalen Beweise gibt, zeigten Röntgenuntersuchungen, dass Klimt jahrelang an Adeles Gesicht arbeitete, um eine Perfektion und Zärtlichkeit zu erreichen, die weit über einen rein kommerziellen Auftrag hinausgingen. Das Kleid enthält zudem subtile erotische Signaturen des "Klimt-Codes". Ein weiteres Geheimnis verbirgt sich im Schmuck. Die Diamantkette, die Adele trägt, war ein Geschenk ihres Mannes Ferdinand. Dieses reale Schmuckstück hat eine tragische Geschichte: Nach der Beraubung der Familie durch die Nazis wurde die Kette von deutschen Offizieren gestohlen. Berichten zufolge wurde sie später von Emmy Göring, der Frau von Hermann Göring, bei offiziellen Anlässen in Berlin getragen, was der visuellen Pracht eine grauenhafte historische Ebene hinzufügt. Schließlich verbirgt das Bild eine heilige geometrische Struktur. Obwohl das Werk dekorativ erscheint, nutzte Klimt Prinzipien des Goldenen Schnitts, um Adeles Pupillen und die Neigung ihres Halses zu platzieren. Dieses Konstruktionsgeheimnis verleiht dem Porträt seine fast hypnotische Stabilität. In seinen Notizbüchern fanden sich über hundert Vorstudien für dieses eine Bild – eine Besessenheit von Präzision unter der ornamentalen Oberfläche.

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